Ausstellungen in der Galerie  
 
26. Mai - 24. Juni 1995

Martin Colden
R.O.T.
Malerei / Polaroid-Fotografie


  Martin Colden stellte seine Arbeiten in der Galerie LABOR19 unter das geheimnisvolle Kürzel »R.O.T.« Sollte es sich hierbei um die Farbe Rot handeln? Diese Farbe wurde infolge ihrer Signalwirkung wie keine andere zu einem Symbol radikalen Wandels. Sie ist zugleich die Farbe des Herzens und des Blutes; eine Beziehung, von der aus Martin Colden sein Projekt angedacht hatte. Der geplanten opulenten Installation mißtrauend stellte er jedoch diesen Aspekt zurück: In strenger und konzentrierter Form sollte vor allem die Malerei im Mittelpunkt stehen.

Dieser Basis, bezeichnet durch zwei auf den Farbon Rot und Schwarz aufgebaute Bilder und zwei Polaroids im unteren Ausstellungsraum, ordnete er eine Art »Überbau« im oberen Raum zu. Zwölf im Farbkopierer vergrößere Polaroidfotografien bildeten einen erweiterten Kommentar zu der kargen Strenge der gemalten Bilder, die in ihrer spezifischen Materialität ein entgegengesetztes Konzept vertreten. Die Polaroids ermöglichen die Benutzung einer anderen, unmittelbareren Sprache. Angesichts der erdrückenden Last der Malereigeschichte, die Martin Colden stark reflektiert, bietet ihm die Kamera eine schnellere Überprüfung des Gedachten und des Denkbaren. Ohne lllusionen über dieses Medium zu pflegen, wohlgemerkt.

Während er sich in der Malerei den schweren Themen in erzählerischer Form verweigert, inszeniert Colden in den Polaroids mit leichter Hand existentielle Momente. Motivkomplexe wie der Tod - hier in Gestalt des verendeten Köters, der starrenden Fischaugen und des Schädels - und die Fragmentierung des eigenen Körpers, begleitet von Bildern formal reizvoller Banalitäten, läßt Martin Colden im Momentfoto zu. Es scheint zuweilen, als erlaube ihm die Verwendung des Kamera-Auges eine notwendige Distanz zu den bedrängend wahrgenommenen Dingen.

Wirken die Gesichtsfragmente der ausgestellten Serie noch eher spielerisch, so läßt das mit Neugier gemischte Entsetzen angesichts eigener Verletzungen Halt an den fremden Dingen suchen. Das lakonische »Good luck« der nächtlichen Spielautomaten-Szene bekommt auf diese Weise eine sarkastische Schärfe. In der Polaroid-Serie aus dem Krankenhaus verknüpft Martin Colden die Selbstwahrnehmung mit Ansichten seltsam erhabener medizinischer Gerätschaften. Noch sind sie fremd, noch haben sie ihren schlichten Sinn nicht aufgedeckt.

Mit Hilfe der Kamera erwehrt sich Colden der flutenden Bilder, um sie neu zu ordnen. In glücklichen Augenblicken treten diese wiederum in einen Dialog mit der Malerei ein, und es beginnt vielleicht eine brodelnde Reaktion im LABOR ...

Annette Dorgerloh
 
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  Martin Colden - Polaroid aus der Serie "Achill"    Martin Colden - Polaroid aus der Serie "Achill"

Martin Colden - Polaroids aus der Serie "Achill"

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