Ausstellungen in der Galerie  
 
Juli - August 2000

Christoph Meyer
BLUE WHITE KISS
Deine Tränen Töten Mich

Eine Versuchsanordnung in der Galerie LABOR 019

Christoph Meyer hat in der LABORGALERIE einen Kunstraum geschaffen, der die Möglichkeit und Unmöglichkeit dialogischen Verhaltens thematisiert.
Es ist zunächst das Blau der Wände, das mit seiner intensiven Kühle magisch anzieht. Die großen Fensterflächen sind opak gemacht, so daß nichts ablenkt von dem Geschehen im lnneren: Zwei Objekte sind hier in Beziehung gebracht, Kleider auf Ständern, die spannungsvoll kontrastieren: Das weiße Damenkleid aus Kaisers Zeiten und das schwarze Herrenhemd, Fragmente von Frau und Mann einander also gegenüber in eigenartiger Stille. Blick- und Wegerichtung sind sinndeutig: Wir schauen mit der schwarzen Hemd-Figur auf die weiße Puppe, die überdies fast bühnenartig von Bahnen aus dunklerem Blau hinterfangen wird. Der weißblaue Stuhl unterstreicht das Opernhafte der Szene, indem er uns Hinzutretende auf die Plätze verweist.

Was auf den ersten Blick als Konvention erscheint - die Pracht der Dame in schlankem Unschuldsweiß ebenso wie das zurückhaltende Schwarz des stattlicheren Herrenhemds - erweist sich bei näherer Betrachtung als Verfaßtheit, die noch tiefere Gräben offenlegt.
Erst der Vergleich mit der perfekten Silhouette und der aufwendig verhüllenden Stofflichkeit des Kleides machen deutlich, wie abgetragen das Hemd ist. Abgestoßene Manschetten und Risse im Seidenstoff zeigen, was auch die drei Arbeiten an den Wänden kommentieren: Touché, getroffen!
Die Zeichnungen changieren zwischen Fragmentierung und autwendiger Rahmung: Das Serielle des indischen Druckmodels strukturiert Wand und Bilder und gibt ihnen Halt. Zwei der Blätter zeigen vegetabile Formen, die zugleich auch erinnerte Körperteile aufscheinen lassen.
"Take five" hingegen scheint dem genauen Blick eine Antwort zu bieten: Rohrpost zwischen den Köpfen, die damit etwas besitzen, was den Puppen verwehrt ist.
Letztlich täuscht die sanftmelancholische Stimmung des Raumes: Die knisternde Stille bleibt bestehen; die Spannung läßt sich nicht auflösen. Ach wenn dich doch meine Tränen töteten!

Annette Dorgerloh


       

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