Ausstellungen in der Galerie  
 
6. Juni - 3. Juli 2001

Nicola Rubinstein
Fotografie


Nicola Rubinsteins künstlerische Arbeit ist sehr vielseitig. Sie verwendet verschiedene Medien, wie Malerei, Installation oder Video. Zur Zeit gilt ihr Interesse der Fotografie, bei der sie sich auf aussagestarke Details konzentriert. In diesem Medium gewinnt die Eigenheit der Künstlerin eine neue Qualität. Sie beginnt im konzeptuellen Sinne regelrechte "Untersuchungen" von Motiven zu machen und Sammlungen anzulegen. Zäune, Gitter, Geländer sind eine wichtige Motivgruppe in ihrem gegenwärtigen Schaffen. Sie sind überall zu finden, ob zu Hause vor der Haustür, ob auf Reisen in Israel oder Indien zum Beispiel. Menschen schirmen einen privaten Raum ab, grenzen ab und ein. Zäune sind Barrieren und markieren Grenzen, die abhalten sollen, ungebeten einzutreten. Doch sie sind zugleich transparent und lassen den Blick in das Dahinterliegende gleiten und manchmal kann sich das Auge sehnsuchtsvoll in die Tiefe verlieren. Gerade diese Erfahrung interessiert die Künstlerin. Sie spürt den sich widerstrebenden Dingen, die in der Alltagskultur sichtbar werden, nach, wie Grenzziehung und Transparenz, Eindringen und Abwehr, Überschreiten und Zurückweisen. Das sind Metaphern, die sich in simplen Dingen wie Zäunen oder Gittern widerspiegeln und verschiedene ornamentale Gestaltungen erfahren, die sich manchmal zum Absurden hin steigern können. Dabei ist interessant zu beobachten, dass trotz der unterschiedlichen Kulturräume, in denen die Aufnahmen gemacht wurden, kein identifizierbarer kultureller und ästhetischer Unterschied festzustellen ist. Das kann an der Auswahl der Künstlerin liegen, zeigt aber zugleich auch, wie ähnlich sich einige Dinge auf der ganzen Welt sind. "Den Blick möchte ich auf die Grenzen der Sichtbarkeit und sichtbare Grenzen, auf Grenzübertritte und Hybridformen richten. Durch widersprüchliches und spannungsreiches Nebeneinander vielschichtiger Bildwelten werden Brüche erkennbar und die Existenz vieler paralleler Identitäten bewusst. Ein positives Zulassen dieser Vielgespaltenheit weckte mein Interesse an den spannenden Begegnungen in den Grenzgebieten." beschreibt Nicola Rubinstein ihre Intentionen.

Barbara Barsch



Blicksperrungen
Seit vielen Jahren arbeitet Nicola Rubinstein, die insbesondere durch ihre dezenten Malereien auf sich aufmerksam machte, auch fotografisch. Rubinsteins Interesse richtet sich auf Grenzen der Wahrnehmung innerhalb ihrer Umgebung, auf Blicksperrungen, Überschneidungen, Raster und Ornamente, die sie im ländlichen wie im urbanen Raum vorfindet. Eine frühe Fotoserie zeigt ein einziges Bildmotiv: Gartenzäune. Wenngleich es beim Betrachten dieser Serie amüsant ist, festzustellen, was abseits von Jägerzäunen als Gestaltungsvielfalt möglich ist, interessiert Nicola Rubinstein beim Blick durch den Zaun nur das geschlossene Kamera-Bild, das Zusammenspiel von Farben und Strukturen.
Ist das Sujet dieser Fotoreihe noch auf Anhieb als konkreter Gegenstand identifizierbar, gewinnen neuere Fotografien einen hohen Abstraktionsgrad. Während ausgedehnter Reisen durch New York, Israel, Afrika und Indien fotografierte Rubinstein Alltagsgegenstände und Personen in so enger Ausschnitthaftigkeit, dass das Motiv nur noch schwerlich zu erkennen ist. Ob Zäune, Gitter, semitransparente Absperrungen jeglicher Art, Mauern, Wände, Bekleidung und Accessoires, durchgängig ist der Bildausschnitt so gewählt, dass das Umfeld ausgeblendet ist. Rubinstein entwickelt die Fotografien selbst im digitalen Printverfahren, ohne das Vollformat zu verändern.
Immer ist der Blick der Grafikerin für Komposition und Proportion, die Sensibilität der Malerin für Farben und Farbwerte spürbar. Einige Fotografien, wie z.B. die Horizontbilder oder die monochromen Hauswände erreichen eine malerische Qualität, die an Rubinsteins Tafelbilder der frühen 90er Jahre erinnert. Alle, die Rubinsteins künstlerische Genese seit Jahren verfolgen, werden feststellen, dass sie das Medium der Fotografie in konsequenter Weiterentwicklung zu nutzen versteht.

Christine Schwab, M.A.


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Artwork/Fotografien





Vernissage